Esca (Weinbau)

Lexikon: Blattsymptom verursacht durch einen Esca Befall. Lexikon: Rebstock von ESCA geschädigt.

Bei der Esca Krankheit handelt es sich um eine komplexe Abbaukrankheit von Weinreben die in den letzten drei Jahrzehnten weltweit stark zugenommen hat. Sie ist eine der gefährlichsten Rebholzkrankheiten. Die Bezeichnung Esca leitet sich aus dem Lateinischen ab und bedeutet Zunder – ein Hinweis auf die zunderähnliche Konsistenz des Holzes im späten Krankheitsstadium. Sie wird von verschiedenen holzzersetzenden Pilzen verursacht. Seit den 1990er Jahren verbreitet sich die Esca Krankheit zunehmend in den nördlichen Weinbauregionen. Die Krankheit ist gefährlich, weil sie zum Absterben der Rebstöcke führen kann.

Verursacher

Nach neuesten Forschungsergebnissen ist die Ursache der Krankheit mit einer Gruppe von latenten pilzlichen Pathogenen verbunden, deren Lebensweise vielfach noch unbekannt ist. Die Untersuchungen ergaben, dass die Pilzgemeinschaften von insgesamt 158 Pilzarten in gesunden und kranken Pflanzen gleich sind. Pilze die als mutmaßliche Esca-Erreger bekannt sind, wurden mit ähnlichen Frequenzen und Häufigkeiten aus gesunden und kranken Pflanzen isoliert. Diese Erkenntnisse zeigen, dass die Esca Pilze keine echte Pathogene sind, sondern spezialisierte Arten die bereits totes Holz besiedeln und abbauen.

Die am häufigsten festgestellten Pilze in europäischen Anbaugebieten, die das Esca-Syndrom auslösen bzw. verursachen, sind endophytische, Leitgewebe besiedelnde Pilze wie Phaeomoniella chlamydospora (W. Gams, Crous. M.J. Wingf. & L. Mugnai), Phaeoacremonium aleophilum (W. Gams, Crous. M.J. Wingf. & L. Mugnai) und die holzzerstörenden Weißfäulepilze Fomitiporia mediterranea (M. Fischer, Basidiomycota), Fomitiporia punctata, Stereum hirsutum. Begleitend (Mischinfektion) finden sich die Pilze Phomopsis viticola, Eutypa lata und Botryosphaeria obtusa. In außereuropäischen Weinbaugebieten wurden auch andere Pilzarten von Phaeoacremonium festgestellt und Fomitiporia mediterranea wird durch Stellvertreterarten besetzt.

Symptome

Bei der Esca Krankheit unterscheidet man zwei Verlaufsformen mit unterschiedlichen Symptomen. Beim akuten Krankheitsverlauf stirbt der gesamte Stock plötzlich ab, meist mitten im Sommer. Die Blätter hängen noch lange vertrocknet an der Rebe und verfärben sich langsam von grün zu braun. Bei der chronischen Form der Esca überdauern die Stöcke oft mehrere Jahre, ohne vollständig abzusterben. Die äußerlich sichtbaren Symptome sind nicht stabil. In manchen Jahren fehlen sie ganz.

Zwischen den Blattadern älterer Blätter treten unregelmäßig verteilte, gelbliche Flecken auf, die von der Mitte aus nekrotisieren. Die Nekrosen gehen ineinander über und breiten sich flächig zwischen den Blattadern aus. Die Blattadern bleiben dabei von einer hellgrünen, gelblichen Zone umgeben, die Nekrosen sind rötlichbraun gefärbt („Tigerstreifen“). Die Weinbeeren der betroffenen Rebstöcke bleiben kleinbeerig, die einzelnen Beeren entwickeln während des Sommers auf der Beerenhaut braune, später auch schwarze, unregelmäßige Flecken (Black measles). Häufig tritt in der Anfangsphase aus Schnittflächen des Holzes eine gummiartige, dunkle Substanz aus (Gummosis). Vom Pilz befallenes Holzgewebe ist weißlich, schwammig, trocken und durch eine schmale, braun bis schwarz gefärbte Zone abgegrenzt. Die Rebstöcke sterben häufig innerhalb kurzer Zeit ab (Apoplexie). Blatt- und Beerensymptome können unabhängig voneinander auftreten.

 

Eine direkte Bekämpfung der Krankheit ist nicht möglich. Leider zeigen sich die Symptome oft erst nach Jahren, nach der Infektion. Das erschwert die Bekämpfung bzw. macht sie nicht möglich. Eine wichtige vorbeugende Maßnahme ist die Vernichtung (Verbrennung) von Infektionsquellen (erkrankte Rebstöcke sind Träger von Fruchtkörpern) in Weingärten. Belassene Fruchtkörper sporulieren vor allem während der wärmeren Jahreszeit und verursachen einen zusätzlichen Infektionsdruck. Rechtzeitiges Entfernen erkrankter Stockteile mit nachfolgendem Stockneuaufbau (Hochziehen von unten) bringt selten symptomfreie Stöcke. Stocküberlastungen sollen vermieden werden. Stress (hohe Erträge, Wasserstress u. a.) führt auf Dauer zu mehr Stockausfällen durch Esca. Eine Möglichkeit bestehende Rebstöcke vor einer Infektion zu schützen besteht in der Form, dass man Schnittwunden und andere Verletzungen (z. B. Ausbrechwunden) am mehrjährigen Holz sofort mit einem geeigneten Wundbehandlungsmittel verschließt. Auch diese Maßnahme bringt nur Teilerfolge.

Bei der vegetativen Vermehrung kann durch exakten Einsatz von Hydroxychinolinsulfat zur Desinfektion des Rebholzes, die Übertragung einiger Pilze verhindert werden. Die Desinfektion des Vermehrungsmaterials ist heute in den Vermehrungsbetrieben gängige Praxis. Von sichtlich befallenen Rebstöcken soll daher auch kein Vermehrungsmaterial geschnitten werden. Untersuchungen in der Schweiz zeigten aber im Vergleich der Pilzgemeinschaften von erwachsenen Rebstöcken mit jungen veredelten Pfopfreben aus demselben Pflanzenmaterial, dass die Esca-Pilze nicht mit der Veredlung übertragen werden. Umfangreiche Forschungsarbeiten sind daher in den weinbautreibenden Ländern im Gange.

Quelle: de.wikipedia.org | Esca (Weinbau)

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